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Was ist ein Ulcus cruris?

Ulcus cruris ist ein offenes Geschwür am Unterschenkel (umgangssprachlich: offenes Bein), das schlecht heilt und zur chronischen Wunde werden kann. Meist sind ältere Menschen davon betroffen, Frauen häufiger als Männer. 

Ursachen

Die meisten Unterschenkelgeschwüre entstehen durch Venenleiden (Ulcus cruris venosum). Die zum Herzen führenden Gefäße können den Rücktransport des sauerstoffarmen Blutes aus den Beinen nicht mehr gewährleisten. Es kommt zu Durchblutungsstörungen und zur Schädigung des Gewebes, da es nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. Auch Störungen des vom Herzen wegführenden Gefäßsystems, der Beinarterien, können Unterschenkel-Geschwüre verursachen (Ulcus cruris arteriosum). Besonders problematisch stellen sich Mischformen dar (Ulcus cruris mixtum).

Angeborene oder erworbene Venenschwäche: Durch den Blutrückstau erweitern sich die Gefäße, und Entzündungsvorgängen werden begünstigt, die im schlimmsten Fall Blutgerinnsel hervorrufen können. Der Rückstau erhöht den Blutdruck in den betroffenen Venen und erzeugt Durchblutungsstörungen in den Hautgefäßen. Ödeme bilden sich in den Knöcheln, das Haut- und Unterhautgewebe verhärtet sich. Zudem kann eine Gelb- oder Braunverfärbung der Haut auftreten. Die Ursachen reichen von chronisch-venöser Insuffizienz, Krampfadern bis zu – durch Venenthrombose – geschädigte Venenklappen.

Störung der arteriellen Versorgung: Arterienverkalkungen oder Störungen der kleinen arteriellen Gefäße führen zu einer Minderdurchblutung der unteren Extremitäten. Diese Krankheit wird als periphere arterielle Verschlusskrankheit bezeichnet und kommt bei Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder rheumatoider Arthritis vor. Weiters können Verletzungen, Tumore, Infektionen, Rheuma oder genetische Veranlagung verantwortlich sein.

Symptome

  • Ulcus cruris venosum zeigt folgende Symptome: Gelb- oder Braunverfärbung der Haut entsteht, weil der erhöhte Druck in den Venen das Blut durch die Gefäßwände in das umliegende Gewebe verdrängt und die Blutzellen dadurch zerfallen. Neben Ödemen entstehen auch Areale mit weißlicher, verdünnter Haut sowie spinnwebartige Gefäßzeichnungen am Innenknöchel. Haut- und Unterhautgewebe verhärten sich. Die venöse Abflussstörung verhindert den Abtransport der Stoffwechselabbauprodukte und schädigt so die Hautzellen. Es können sich geschwürartige, schlecht heilende und oftmals schmerzhafte Wunden bilden.
  • Ulcus cruris arteriosum: Mangeldurchblutung führt zum Absterben des Gewebes, woraus ein Geschwür hervorgehen kann. Zuerst haben die Betroffenen nur unter Bewegung Schmerzen, bis diese auch in Ruhe spürbar sind. Füße und Beine fühlen sich kalt an, wirken blau und fahl. Arterielle Geschwüre am Unterbein bleiben meist klein und rund.

Typische Hautveränderungen bei Ulcera cruris:

  • Eine bläulich fahle Hautfarbe bei arterieller Ursache, braun-gelbe Hautfarbe bei venösem Grundleiden
  • Dünne, glänzende und leicht verletzbare Haut, weil die Elastizität verloren geht
  • Kleine, unregelmäßige Narben von Verletzungen, weil die Heilung bei Bestehen einer offenen Wunde am Bein schlecht verläuft
  • Entzündliche Veränderungen nach Infektion durch Bakterien

Tipps zur Vorbeugung

Gefäßveränderungen und Unterschenkelgeschwüre können durch gesunden Lebensstil abgewendet werden:

  • Verzicht auf Nikotinkonsum
  • regelmäßige Bewegung
  • Gewichtsreduktion
  • abwechslungsreiche vollwertige Ernährung
  • Verzicht auf Transfette

Bei bereits erhöhtem Risiko (wie Diabetes, Krampfadern, Bluthochdruck, Rheuma, chronisch-venöse Insuffizienz) sollen folgende vorbeugenden Maßnahmen beachtet werden:

  • Kontrolle der Füße und Beine in regelmäßigen Abständen
  • passendes, bequemes Schuhwerk
  • Verletzungen vermeiden

Behandlung von Ulcus cruris

Bei allen Unterschenkelgeschwüren beginnt die Behandlung mit einer Wundreinigung. Dann werden abgestorbenes Gewebe und Wundbeläge, wenn nötig unter Lokalanästhesie, entfernt – durch enzymatische, physikalische oder chirurgische Methoden. Die saubere Wunde wird mit einem hydroaktiven Wundverband abgedeckt, unter dem sich ein feuchtes Wundmilieu zur Förderung der Epithelbildung entwickeln kann. Bei Bedarf können schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente verschrieben werden.

  • Ist das offene Bein aus einer venösen Ursache heraus entstanden, ist oft eine lebenslange Kompressionstherapie mit speziellen Strümpfen und Verbänden notwendig. Damit wird die Stauungsproblematik langfristig vermindert und der gestörte Rückfluss verbessert. Regelmäßige Bewegung wird den Betroffenen sowieso angeraten. Besonders belastete Venen können entfernt, mit Laser oder medikamentös verödet werden.
  • Bei einem arteriell bedingten Geschwür wird die Durchblutung durch sogenannte endovaskuläre Eingriffe (z. B. Einsetzen von Stents) sowie gefäßchirurgische Eingriffe (z.B. Bypass-Operation) verbessert.

Diagnose

Der Diagnoseprozeß umfasst eine Inspektion des Geschwüres, ein Anamnese-Gespräch, die Feststellung des venösen und arteriellen Status, die Bewertung des Allgemeinzustandes (körperliche Untersuchung) und eine Differenzialdiagnostik. Es ist wichtig, das Ulcus in seiner Größe und Form genau zu dokumentieren, um später den Behandlungsverlauf genau bewerten zu können. Arterielle Fußpulse werden ebenfalls überprüft und der Beinumfang gemessen. In manchen Fällen ist ein Abstrich zur Keimidentifizierung oder eine Gewebeprobe von Bedeutung. Bei besonders tiefen Geschwüren wird eine Röntgenaufnahme gemacht, um eine Knochenbeteiligung ausschließen zu können.

Die gewissenhafte Diagnose ist für eine gezielte Ulcus-cruris-Therapie entscheidend, damit eine so ernste Wunde gut heilen kann.

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