Ulcus cruris – Ursachen verstehen, Symptome erkennen und Behandlungsmöglichkeiten kennen
KURZÜBERSICHT
- Ulcus cruris ist eine chronische Wunde mit klar definierter Ursache
- Venöse, arterielle und gemischte Formen unterscheiden sich deutlich
- Richtige Diagnose ist Grundlage jeder Therapie
- Kompression ist bei venösem Ulcus zentral, bei arteriellem kontraindiziert
- Moderne Verbandstoffe unterstützen die feuchte Wundheilung
- Ernährung, Stoffwechsel und Mikrobiom beeinflussen die Heilung
- Wundzentren sind oft entscheidend für eine erfolgreiche Therapie
Ulcus cruris – Ursachen verstehen, Symptome erkennen und Behandlungsmöglichkeiten kennen
Die Heilung jeder Wunde hängt stark vom allgemeinen Gesundheitszustand ab. Darum ist eine vollständige Beurteilung des Patienten und die exakte Diagnose der Wundursache entscheidend. Eine Wunde kann nur dann richtig versorgt werden, wenn klar ist, warum sie entstanden ist.
Das Ulcus cruris zählt zu den häufigsten chronischen Wunden in Österreich und betrifft vor allem die Unterschenkel. Es tritt auf, wenn die Durchblutung gestört ist – entweder durch eine venöse Erkrankung, eine arterielle Verschlusskrankheit oder eine Mischform.
Welche Formen des Ulcus cruris gibt es, wie sie entstehen, wie sie aussehen und welche Behandlungen infrage kommen.
Was ist ein Ulcus cruris?
Der Begriff „Ulcus cruris“ bedeutet Unterschenkelgeschwür.
Es handelt sich um eine chronische Wunde, die länger als acht Wochen nicht abheilt. Die Ursache ist immer eine Durchblutungsstörung – venös, arteriell oder kombiniert.
Häufigkeit:
- Ulcus cruris venosum: ca. 70 %
- Ulcus cruris arteriosum: ca. 10 %
- Ulcus cruris mixtum: ca. 10–15 %
Ulcus cruris venosum – die venöse Form
Das venöse Ulcus entsteht durch eine chronische Venenschwäche (CVI).
Das Venensystem transportiert das Blut nicht mehr ausreichend zum Herzen zurück. Dadurch steigt der Druck im Bein, Flüssigkeit tritt ins Gewebe aus und es kommt zu Ödemen, Hautveränderungen und schließlich offenen Stellen.
Typische Merkmale:
- meist am Innenknöchel lokalisiert
- unregelmäßige Randform
- braune Hautverfärbungen (häufig mit Ekzemen)
- normal tastbarer Fußpuls
- Schmerzen vor allem tagsüber, Besserung durch Hochlagern
Warum entsteht die Wunde?
Der erhöhte Venendruck führt zu Zellschäden, die Haut wird schlecht versorgt und stirbt ab – ein Ulcus entsteht.
Behandlungsschwerpunkt:
Die wichtigste Therapieform ist die Kompressionstherapie, wenn medizinisch möglich. Sie reduziert Ödeme, unterstützt den venösen Rückfluss und schafft die Grundlage für die Wundheilung.
Ulcus cruris arteriosum – die arterielle Form
Beim arteriellen Ulcus liegt eine pAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit) vor.
Die Beinarterien sind verengt oder verschlossen, der Körper kann das Gewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgen.
Typische Anzeichen:
- klar begrenzte, wie „ausgestanzt“ wirkende Wundränder
- starker Ruheschmerz
- Wadenkrämpfe schon nach kurzen Gehstrecken (Schaufensterkrankheit)
- kalte Füße, blasse oder livide Haut
- Nekrosen an Zehen und Vorfuß
Die Wunde kann schon durch kleine Verletzungen entstehen, weil die Haut nicht mehr ausreichend durchblutet wird.
Diagnostik umfasst:
- Klinische Untersuchung
- Pulsstatus
- Knöchel-Arm-Index (ABI/KADI)
- Doppler- oder Duplexsonographie
- Wundabstrich bei Verdacht auf Infektion
- ggf. Biopsie zum Ausschluss von Tumoren
Wichtig:
Kompression ist hier kontraindiziert, außer in reduzierter Form bei klarer Mischform und ärztlicher Zustimmung.
Ulcus cruris mixtum – Mischform aus venös & arteriell
Hier wirken beide Ursachen gleichzeitig.
Die Behandlung muss individuell abgestimmt werden, typischerweise mit:
- reduzierter Kompression (ärztliche Freigabe)
- exakter Diagnostik
- sorgfältigem Wundmaterial
- Behandlung der Grunderkrankungen
Behandlungsmöglichkeiten – was heute Standard ist
Ein Ulcus cruris benötigt eine Ursachenbehandlung + lokale Therapie.
1. Ursachenbehandlung
- Venös: Kompression (Binden, Strümpfe, adaptive Systeme)
- Arteriell: Gefäßmedizinische Abklärung, Bypass, Stent, medikamentöse Therapie
- Mischform: individuelle Kompressionsstufe
Wichtig: Ohne Ursachenbehandlung bleibt selbst die beste Wundauflage erfolglos.
2. Lokale Wundbehandlung
Moderne Verbandstoffe unterstützen:
- Feuchtigkeitsregulation
- Exsudatmanagement
- Schutz vor Reibung und Keimen
- schmerzarme Verbandswechsel
Dazu zählen u. a.:
- Schaumverbände
- Alginate
- Hydrokolloide
- Silikonbeschichtete Wundauflagen
Bei infektionsgefährdeten Wunden können silberhaltige oder andere antimikrobielle Materialien sinnvoll sein.
Bei Schmerzen sind spezielle Schaumverbände mit Ibuprofen eine Option (ärztliche Empfehlung erforderlich).
Warum die Kombination aus Wundbeurteilung undPatientendokumentation entscheidend ist
Eine chronische Wunde ist immer ein Gesamtkörperproblem.
Der Zustand des Patienten beeinflusst:
- Wundheilungsdauer
- Rückfallrisiko
- Infektanfälligkeit
- Lebensqualität
Daher gehören zur Dokumentation:
- Grunderkrankungen
- Durchblutung
- Mobilität
- Ernährung
- Medikation
- Hautzustand
- Schmerz
- familiäre / soziale Situation
Nur wenn Ursache + Gesamtsituation klar sind, kann eine passende Therapie erfolgen.
Rolle von Ernährung, Mikrobiom und Stoffwechsel bei Ulcus cruris. Chronische Wunden heilen besser, wenn der Stoffwechsel und das Immunsystem stabil sind.
Ein ausgeglichenes Mikrobiom schafft oft die Grundlage dafür, dass eine chronische Wunde überhaupt zu heilen beginnt.
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Ballaststoffe unterstützen:
- Stoffwechselentlastung
- bessere Nährstoffaufnahme
- regelmäßigen Darmrhythmus
- Aufbau gesunder Hautstrukturen
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Das Mikrobiom spielt eine Schlüsselrolle bei:
- systemischer Entzündung
- Immunantwort
- Infektanfälligkeit
- regenerativen Stoffwechselprozessen
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Wann professionelle Einrichtungen entscheidend sind
Für Ulcus cruris ist eine frühzeitige Vorstellung in einer Wundambulanz oder einem spezialisierten Wundzentrum sinnvoll.
Dort gibt es:
- exakte Diagnostik
- moderne Verbandstoffe
- Kompressionsexperten
- Infektionsmanagement
- interdisziplinäre Betreuung
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Wundheilung (DGfW): Leitlinien chronische Wunden.
- Dissemond J. et al.: Moderne Konzepte der lokalen Wundbehandlung.
- Partsch H.: Kompressionstherapie in der Wundversorgung.
- Schaper N.C. et al.: Classification and treatment of peripheral arterial disease.
- O’Meara S. et al.: Dressings for venous leg ulcers. Cochrane Review.
- ICW – Initiative Chronische Wunden: Definitionen und Standards.





