Geschwür heilt nicht – wie Ulcus cruris und Dekubitus
KURZÜBERSICHT
Kurz erklärt
Chronische Wunden bleiben in Entzündung/Belastung „stecken“; Durchblutung, Druck und Pflege entscheiden mit.
Das hilft
Sanft reinigen, feucht-warmes Wundmilieu, konsequente Druckentlastung, eiweißreiche Kost, genug trinken, Darmgesundheit mitdenken.
Ärztlich abklären
Zunehmende Rötung/Wärme, starker Geruch/Eiter, Fieber, starke Schmerzen, schwarze Beläge oder Stillstand über Wochen.
Geschwür heilt nicht – wie Ulcus cruris und Dekubitus
Wenn eine Wunde über Wochen nicht vorankommt, ist das kräftezehrend. Geschwür heilt nicht – besonders beim Unterschenkelgeschwür (Ulcus cruris) und beim Druckgeschwür (Dekubitus) stellt das eine große Belastung für Betroffene, Angehörige und Pflegekräfte dar. Dieser Ratgeber erklärt verständlich, warum Ulcus-cruris- und Dekubitus-Wundheilung ins Stocken geraten kann, wie fachärztliche Therapie und alltagstaugliche Maßnahmen ineinandergreifen und welche Rolle Ernährung und Darmmikrobiom spielen. Er bietet Orientierung und ersetzt keine ärztliche Betreuung.
Geschwür heilt nicht – wie der Körper Geschwüre eigentlich schließt
Wundheilung läuft in Phasen: Gerinnung bildet einen schützenden „Wundpropf“. In der Entzündungsphase räumt das Immunsystem Zelltrümmer und Keime ab. Danach füllen Bindegewebszellen die Lücke (Proliferation), Blutgefäße sprießen, die Ränder nähern sich an. Abschließend reift und festigt das Gewebe (Remodelling). Stimmen Durchblutung, Druckverhältnisse, Pflege und Nährstoffangebot, kann der Körper die Schritte koordiniert abarbeiten.
Warum Ulcus cruris & Dekubitus oft nicht heilen
Beide Wundtypen entstehen auf dem Boden einer Störung der Gewebeversorgung – nur aus unterschiedlichen Gründen. Beim Ulcus cruris (häufig venös) staut sich Blut im Unterschenkel; Flüssigkeit tritt ins Gewebe aus, die Haut wird verletzlich, kleine Defekte werden zu Geschwüren. Beim Dekubitus verhindert lang anhaltender Druck (z. B. Liegen, Sitzen, schlecht sitzende Prothesen), dass Gewebe ausreichend durchblutet wird. Zusätzliche Bremsklötze sind Diabetes, arterielle Gefäßprobleme, Unter- oder Mangelernährung, Rauchen/Alkohol, Infektionen, unpassende Verbände oder fehlende Entlastung.
Pflegebasics: sauber, geschützt, feucht-warm
Sanfte Reinigung: Hände säubern; Wunde vorsichtig mit sauberem Wasser spülen. Brennende Hausmittel vermeiden.
Passende Abdeckung: Ein leicht feuchtes Milieu verhindert Krusten, unterstützt Zellwanderung und macht die Pflege angenehmer.
Wechselintervalle nach Zustand: Durchnässt, verrutscht, riecht oder schmerzt → früher wechseln und abklären.
Hautschutz rundherum: Intakte Umgebungshaut mit geeigneter Pflege schützen, Reizstoffe fernhalten.
Druckmanagement entscheidet – besonders beim Dekubitus
Druck und Scherkräfte sind zentrale Heilungsbremsen. Entlastung ist daher Therapie:
Lagerung & Positionswechsel in definierten Abständen
Sitz- und Liegehilfen (Kissen, Matratzen) passend zur Situation
Schuhwerk/Prothesen anpassen, Naht- und Kantenreibung vermeiden
Gehtraining/Mobilisation nach Freigabe – kleine Wege zählen
Ulcus cruris: Kompression richtig gedacht
Bei venösen Unterschenkelgeschwüren ist Kompression nach ärztlicher Verordnung meist der Schlüssel: Sie reduziert Ödeme, verbessert den Rückfluss und damit die Versorgung. Entscheidend sind passender Druck, korrekter Sitz und konsequente Anwendung – begleitet von Bewegung im Rahmen des Möglichen.
Ernährung: heilen von innen
Heilen von innen
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Heilung ist Schwerarbeit – ohne Treibstoff und Bausteine stockt sie.
Eiweiß priorisieren: Zu jeder Mahlzeit eine Eiweißquelle (Milchprodukte, Eier, Fisch/Geflügel, Hülsenfrüchte, Tofu). Eiweiß liefert Material für Kollagen und Abwehr.
Aminosäuren mitdenken: Arginin (Mikrozirkulation/Kollagen) und Glutamin (Energie für Immun- und Darmzellen) sind Teil eiweißreicher Kost. Ergänzungen nur nach Rücksprache.
Antioxidantien & Mikronährstoffe: Vitamin C unterstützt die Kollagensynthese; Vitamine A, B2, Biotin, Niacin sowie Zink/Selen tragen zu Hautfunktion und Zellteilung bei.
Vitamin D im Blick: Mit zunehmendem Alter sinkt die Eigenproduktion in der Haut; Bedarf und ggf. Ergänzung individuell ärztlich klären.
Trinken: Wasser/ungesüßte Tees über den Tag verteilt – ohne Flüssigkeit kommt der Nährstofftransport ins Stocken.
Darmmikrobiom: starke Mitte, bessere Aufnahme
Eine belastbare Darmbarriere erleichtert die Aufnahme der benötigten Nährstoffe und moduliert Entzündungen. Präbiotische Ballaststoffe (z. B. aus Hafer, Hülsenfrüchten, Gemüse) sind „Futter“ für nützliche Bakterien. Bei häufigen Antibiotikakuren oder Verdauungsproblemen lohnt die ärztliche Rücksprache, ob und welche probiotischen Strategien sinnvoll sind. Ernährung, Bewegung und Schlaf sind die „Basics“, auf denen das Mikrobiom gedeiht.
Darmgesundheit testen
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Infektion erkennen: wann sofort handeln?
Zunehmende Rötung/Überwärmung, Schwellung, starker Geruch, Eiter, Fieber, neue starke Schmerzen oder schwarze Areale sind Warnsignale. Dann braucht es fachärztliche Abklärung, häufig mit Abstrich, gezielter Reinigung/Debridement, Materialanpassung und ggf. Antibiotikatherapie. Lieber einmal zu früh anrufen als zu spät.
Alltag organisieren: so bleibt es machbar
Material-Check: Verbandstoffe, Abfallbeutel, Duschschutz, bequeme Kleidung.
Routinen: Feste Zeiten für Pflege, Essen/Trinken, kurze Mobilisation.
Dokumentation: Fotos/Notizen alle 2–3 Tage zeigen Trends.
- Teamwork: Angehörige/Pflegekräfte einbinden, Fragen notieren und bei Kontrollen gezielt klären.
Für Angehörige & Pflegekräfte
Ein ruhiger Ton, Hilfe bei Positionswechseln, Entlastungspausen und Erinnerungen an Trinken/Essen wirken oft Wunder. Beobachten Sie gemeinsam: Wird es von Woche zu Woche kleiner/ruhiger? Weicht etwas vom Plan ab, holen Sie frühzeitig Rücksprache.
FAQ – kurz & klar
Wie lange dauert die Heilung?
Sehr unterschiedlich. Beim Ulcus cruris hängt viel von Kompression und Mobilität ab, beim Dekubitus von konsequenter Druckentlastung. Regelmäßige Kontrollen sind entscheidend.
Darf die Wunde „an die Luft“?
Meist ist ein feuchtes, geschütztes Milieu besser als „offen“ – es unterstützt Zellwanderung und macht die Pflege angenehmer.
Kann Ernährung wirklich helfen?
Sie ersetzt keine Therapie, schafft aber die Rahmenbedingungen: Eiweiß, Vitamin C, Zink, genug Flüssigkeit, stabile Darmfunktion.
Quellen
- AWMF S3-Leitlinien „Lokaltherapie chronischer Wunden“ und „Dekubitusprophylaxe/-therapie“
- Deutsche Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung (DGfW) – Empfehlungen & Patienteninformationen
- Deutsche Gesellschaft für Phlebologie (DGP) – Leitlinie Ulcus cruris venosum
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) & ESPEN – Ernährung in Heilphasen, Protein- und Mikronährstoffempfehlungen





