Harbacher Pflegekongress
14. November 2025
Schwerpunkt Wunde
Der Harbacher Pflegekongress zeigte eindrucksvoll, wie vielseitig, anspruchsvoll und interdisziplinär moderne Wundversorgung heute ist. Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte sowie Expertinnen und Experten aus Wundmanagement, Chirurgie und Ernährungsmedizin kamen zusammen, um Wissen zu vertiefen, Erfahrungen auszutauschen und neue Perspektiven zu entwickeln.
Gleich zu Beginn setzten Jürgen Friedl, Prim. Peter Jirak und Lisa Schwingenschlögl den Ton für einen Kongresstag, der fachlich dicht, praxisorientiert und geprägt von offenem Dialog war. Die Industrieausstellung rundete das Gesamtbild ab und bot Gelegenheit, aktuelle Entwicklungen und Versorgungslösungen unmittelbar kennenzulernen.
Einen fundierten wissenschaftlichen Einstieg bot Stanislava Tzaneva: Anatomisches Basiswissen zur chronisch-venösen Insuffizienz und die differenzierte Betrachtung von Indikationen und Kontraindikationen der Kompressionstherapie sorgten für ein starkes Fundament, auf dem die weiteren Vorträge aufbauten.
Im Anschluss zeigten Andrea Kurz und Dagmar Unterreiter, wie komplex die Versorgung des Ulcus cruris in der Realität ist – von der Hautpflege über Materialwahl bis hin zu sinnvollen Kompressionsstrategien. Ihre Kombination aus Theorie, Erfahrung und konkreten Handlungsschritten war besonders praxisrelevant.
Ein chirurgischer Blick ergänzte das Bild: Peter Grundtner beleuchtete das diabetische Fußsyndrom aus operativer Perspektive und zeigte, welche Warnsignale früh erkannt werden müssen und welche Interventionen notwendig werden, wenn konservative Behandlung nicht ausreicht.
Nach der Mittagspause folgte ein weiterer zentraler Themenblock: Tobias Seltmann sprach über Wundversorgung beim diabetischen Fuß – und machte deutlich, weshalb ein „Pflaster“ nie nur ein Pflaster ist, sondern integraler Bestandteil eines komplexen Therapiepfades.
Besonders hohes Interesse galt den medizinisch-internistischen Themen: Heinz Gyaky beleuchtete die Bedeutung von Darmgesundheit und Darmflora für Wundheilung und gab später einen zweiten Vortrag über Ernährung und Immunonutrition – ein doppelter Impuls, der zeigte, wie sehr innere Faktoren die äußere Heilung beeinflussen.
Im letzten Vortrag des Tages präsentierte Peter Slavik konkrete Wege des Verordnungsmanagements: wie Patientinnen und Patienten zu Verbandsmaterial kommen, welche Strukturen greifen und wo Versorgungssicherheit verbessert werden kann.
Der Harbacher Pflegekongress war damit weit mehr als eine Fortbildung:
Er war ein Ort, an dem Pflegeexpertise, medizinische Perspektiven und praktische Erfahrung zusammenflossen. Ein Tag, der deutlich machte, dass erfolgreiche Wundversorgung nie isoliert stattfindet – sondern dort entsteht, wo verschiedene Fachbereiche miteinander sprechen, voneinander lernen und gemeinsam Versorgung weiterentwickeln.
Dr. Heinz Gyaky
Darmgesundheit, Mikrobiom & Wundheilung – warum der Darm für die Heilung entscheidend ist
In seinem Vortrag erklärt Dr. Heinz Gyaky, warum eine stabile Darmgesundheit ein zentraler Faktor für Wundheilung und Immunsystem ist. Stress, westliche Ernährung und Ballaststoffmangel können das Mikrobiom schwächen und die Darmbarriere durchlässig machen („Leaky Gut“) – mit Folgen wie chronischen Entzündungen, geschwächtem Immunsystem und verzögerter Heilung.
Er zeigt, wie wichtig die Darmflora für Entzündungsregulation, Nährstoffaufnahme und die Produktion von Neurotransmittern ist. Besonders relevant für die Wundheilung sind kurzkettige Fettsäuren (SCFAs) wie Butyrat, die aus Ballaststoffen entstehen: Sie stärken die Darmbarriere, schützen vor Entzündungen und unterstützen gleichzeitig Gehirn und Immunsystem.
Dr. Gyakys zentrale Botschaft: Eine darmfreundliche Ernährung, ausreichend Ballaststoffe und der gezielte Aufbau des Mikrobioms können Heilungsprozesse entscheidend verbessern – von innen heraus.
Dr. Heinz Gyaky
Ernährung & Immunonutrition – wie Nährstoffe die Wundheilung beschleunigen
Dr. Heinz Gyaky zeigt in seinem Vortrag, wie stark Ernährung, Immunsystem und Wundheilung miteinander verknüpft sind. Er erklärt, dass chronische oder schlecht heilende Wunden häufig auf eine gestörte Immunregulation zurückgehen – und dass gezielte Ernährung („Immunonutrition“) ein entscheidender Schlüssel sein kann, um diese Prozesse zu stabilisieren.
Ein zentrales Thema sind Aminosäuren wie Glutamin und Arginin, Omega-3-Fettsäuren sowie Vitamine und Spurenelemente wie Zink. Diese Nährstoffe unterstützen Immunzellen, fördern die Geweberegeneration und helfen dabei, die Entzündungsphase rechtzeitig zu beenden – ein notwendiger Schritt, um chronische Wunden zu vermeiden.
Große Bedeutung misst Gyaky auch den Ballaststoffen und kurzkettigen Fettsäuren (SCFAs) bei, die im Darm gebildet werden und antientzündliche Makrophagen aktivieren. Eine ausreichende Versorgung stärkt die Darmbarriere, reduziert Entzündungen und verbessert die Fähigkeit des Körpers, Eiweiß und Mikronährstoffe aufzunehmen – entscheidend für jede Form der Wundheilung.
Seine klare Botschaft: Eine eiweißreiche, ballaststoffreiche und darmgesunde Ernährung kann Heilungsprozesse deutlich verbessern. Immunonutrition schafft dafür die wissenschaftlich fundierte Basis – und unterstützt Wunden dabei, schneller und stabiler zu heilen.